Gefühle und Transpersonalität

 

Was sind eigentlich Gefühle? Warum haben wir Gefühle und wie können wir mit Gefühlen umgehen.

 

Gefühle gehören zu unserem Leben wie Wasser oder Essen, aber wir schenken ihnen meist nicht die angemessene Beachtung. Die meisten Gefühle die wir haben, machen wir uns gar nicht bewusst. Hier in diesem Blog möchte ich Ihnen eine ganz besondere Beachtung schenken, weil sie für die Gestalttherapie von ganz wichtigen Interesse sind. Wir arbeiten in der Gestalttherapie hauptsächlich mit Gefühlen, weil sie uns den Zugang öffnen für die eigentlichen Themen unseres Lebens, die uns das Leben eben schwer machen. 

 

 Wie entstehen Gefühle:

Alle Gefühle die wir haben stehen in direkter Verbindung mit unserem Körper. Das heißt, alles was wir erlebt haben, ist in unserem Körper gespeichert. Jedes Gefühl ruft in unserem Körper eine Reaktion hervor. 

 

Verliebt sein äußert sich mit einem kribbeln im Bauch, aber auch mit Herz rasen, oder weichen Knien. Dagegen zeigt sich Ohnmacht auch mit weichen Knien oder Angst kann auch Herz rasen verursachen .

Interessant ist, dass die positiven Gefühle wie Freude, sich in Lachen ausdrücken können, bis die Tränen kommen. Aber auch Trauer kann zu tränen führen. An diesen Beispielen sieht man, wie positive und negative Gefühle ähnliche bis gleiche Reaktionen im Körper hervorrufen können. Das zeigt, wir haben Gefühle die wir gar nicht gerne mögen und haben Gefühle nach denen wir uns sehnen. Beide können die selbe oder eine ähnliche Körperreaktion hervorrufen und trotzdem lehnen wir sie einmal ab und im anderen Fall wollen wir sie haben.

Meistens ist es so, dass dem Gefühl immer ein Gedanke voraus geht. Wir denken an das Meer und Palmen und dann umhüllt uns ein wohliges Gefühl. Zuerst der Gedanke, dann das Gefühl als Körperreaktion mit wohl fühlen. 

Aber Warum, haben wir diese Gefühle, z.B. ich fühle mich einsam, eine Enge macht sich breit in meinem Körper, mir wird warm, ich bekomme kalte Hände, eine schweißige Stirn, danach bekomme ich ein ganz bestimmten Schmerz in meinem hinteren Rachenraum bis zu Schluckbeschwerden. Genau hier ist der Schlüssel zu finden für das Ereignis, das dahinter steht.

In diesem Fall, ich bin klein, vielleicht 4 oder 5, Mama hatte nicht viel Zeit, sagte aber sie kommt bald. Bald war aber sehr lange für mich, so lange, dass ich mich in mein "allein sein" hineinsteigern konnte. Erst fühlte ich mich allein, dann einsam, mit allen körperlichen Symptomen die ich vorhin beschrieben habe. Dieses Gefühl kommt immer wieder  wenn ich mich alleine Fühle. Auch hier geht wieder ein Gedanke voraus, ich denke ich bin alleine und schon geht das Gedankenkarussell los und endet mit dem Halsweh oder einer anderen körperlichen Reaktion. Das meiste an dieser Situation läuft im unterbewussten ab. 

Genau das ist es, wo wir in der Gestalttherapie eingreifen, wir holen die Situation ins Bewusstsein. Lassen das ganze bewusst ablaufen, kommen über den Schlüssel (die Körperliche Reaktion) die zu einem Gefühl gehört zu der unerledigten Situation, in dem Fall eben "Mama kommt nicht, ich bin allein, einsam". Und hier erledigen wir die Situation im hier und jetzt.

Aber eigentlich wollte ich in diesem Blog über Gefühle sprechen. 

Also bis jetzt habe ich die Gefühle, bei denen ein Gedanke voraus ging erwähnt. Nun möchte ich mich mit den Gefühlen befassen, bei welchen kein Gedanke voraus geht. Das sind die Gefühle, die einfach auftreten weil eine Situation auftritt. Z.B.  ich bin auf der Autobahn, vor mir schert ein LKW aus, ich fahre mit 150 kmh auf ihn zu. Stehe voll in die Bremsen. Das Gefühl ist Angst, Ärger, Wut. Die körperliche Reaktion ist Hitzewallung, Schweißausbruch, kurze Erstarrung, aufgerissene Augen, es kribbelt fast wie Nadelstiche im ganzen Körper. Vielleicht sogar ein Schrei. Diese Gefühlsreaktion, würde ich dem Instinkt zuordnen. Die Situation, ist ähnlich wie wenn einem Urmensch der Säbelzahntiger begegnet ist. Hier wird in kürzester Zeit soviel Energie wie möglich frei gesetzt um das Überleben zu sichern. In unserem Fall blöd, weil wir nicht wegrennen müssen und so auch die Energie nicht loswerden. Dafür braucht es dann den Stinkefinger oder sonstige Möglichkeiten, diesem Energieschub Abhilfe zu schaffen.

 

 Gefühle die auftauchen ohne dass ein Gedanke vorausging, die wir oft gar nicht einschätzen können:

Ich fahre irgendwo und sehe ein Objekt, und nun bekomme ich einen Gefühlsausbruch. Das kann wie immer negativ oder positiv sein, Freude oder Angst. Wie ich schon vorhin beschrieben habe, unser Körper merkt sich alles und eben das meiste unterbewusst. Um nochmal auf das vorherige Beispiel zurück zu greifen, wenn das ein roter LKW war, der da ausgeschert ist und mich in eine gefährliche Situation gebracht hat kann es sein, dass Jahre später eine roter LKW einen Gefühlsausbruch hervorruft. 

 

Also die Gefühle sind die Schlüssel für unsere unerledigten Situationen und es sind auch die Gefühle, die wir nicht fühlen wollen, weil sie vielleicht sehr sehr unangenehm sind, die uns dazu bringen wollen an uns zu arbeiten. 

Gefühle können so unerbittlich sein, dass sie einen so in die Knie zwingen, dass man nicht einmal mehr laufen kann. Deshalb kann ich sehr gut verstehen, dass viele Menschen sich in Süchte flüchten oder in Oberflächlichkeiten baden um sich nicht die tiefsten Abgründen ihrer selbst ansehen zu müssen. Nur leider führt jede Sucht niemals zur Heilung, sondern in Krankheit und zum Tod. Genau so wie jedes nicht gefühlte Gefühl zu Krankheit führt. Und wenn das Gefühl welches die Krankheit hervorruft auch nicht gefühlt werden will, wird auch die Krankheit zum Tod führen.

Wir haben alle die Möglichkeit unsere Gefühle zu fühlen. Wenn wir unsere Gefühle bewusst fühlen, dann führen sie zur Heilung und zu einem inneren Frieden.

Jedes positive Gefühl heißen wir herzlich willkommen und wollen es auch ungern wieder los lassen. Aber jedes negative Gefühl wollen wir so schnell wie möglich los werden, dazu ist vielen auch jedes Mittel recht. Ob das Tabletten sind, Fernsehen, Alkohol oder selbst Sport, kann ein gutes Mittel sein um die Gefühle weg zu machen. Der Preis dafür ist ein unbewusstes unfreies Leben. Unfrei, weil man dann immer damit beschäftigt ist nur die unangenehmen Gefühle die einem an die unerledigten Situationen erinnern könnten, ständig von sich fern zu halten.

Jedes Gefühl das man bewusst fühlt, führt früher oder später zu einer inneren Befreiung, weil man durch das bewusste fühlen den Gefühlen den Raum gibt, den sie brauchen um in Heilung zu kommen. 

Nochmal zu dem Beispiel mit der  Einsamkeit. Wenn ich dem Gefühl dieser Einsamkeit den Raum und die Zeit gebe und dieses Gefühl (als Körperreaktion, Enge und Halsweh) bewusst wahrnehme und es bejahend fühle, gebe ich dem Gefühl die Möglichkeit sich im hier und jetzt angenommen zu fühlen. Der Erwachsene lässt dem Gefühl Raum, es darf da sein und deshalb kommt es in Heilung. Das selbe gilt für die Angstgefühle genau so. Lass die Angst kommen, sie ist doch eh da. Wenn du sie weg machen willst geht sie nicht weg. Sie geht nur wenn du sie annimmst. Den positiven Gefühlen, die man so gerne mag geben wir ja auch Raum. 

Transpersonalität:  

Trans bedeutet "darüber hinaus" das heißt über unsere Person hinaus. Das ist genau das was wir tun, wenn wir unsere Gefühle bewusst wahrnehmen.  

Zuerst nehmen wir die Gefühle nicht bewusst wahr. Wir haben Angst. Ok. Das ist das Gefühl.

Indem Du sie bewusst wahr nimmst, also die Angst in deinem Körper spürst, du spürst die Handlungsunfähigkeit, du spürst, die enge in deinem Brustkorb, du spürst die schwitzigen Hände, du gehst darüber hinaus. Du kommst von der unbewussten Wahrnehmung in die bewusste Wahrnehmung und somit in die Heilung.

Wenn du den Heilungsprozess beschleunigen willst, kannst du dich fragen, wer ist die Angst, oder wie alt ist die Angst oder eben jedes andere Gefühl. Wie alt sind meine Glaubenssätze, wer oder was hat sie in dich eingepflanzt oder noch besser, wem hast du die Erlaubnis gegeben sie in dich einzupflanzen. z.B. der Glaubenssatz "das wird sich nie ändern". Aber dazu im nächsten Block mehr.

 

Zum Schluss noch ein paar Worte zum positiven Denken. Man könnte ja denken, dass wenn einem Gefühl meist ein Gedanke voraus geht, dann könnte man ja einfach die Gedanken positiv verändern und dann würde man auch nur noch positiv fühlen. Ja, das ist ein schöner Gedanke und funktioniert im ersten Moment auch wunderbar. Aber leider ist das ähnlich wie mit einer Sucht. Du hast die negativen Gefühle, willst sie aber nicht haben, deshalb denkst du positiv und dann sind die negativen Gefühle nicht mehr da. Das ist genau so anstrengend wie alle anderen Ideen von Süchten oder Sport usw. Die negativen Gefühle verabschieden sich erst dann wenn du die dazugehörige unerledigte Situation erledigt hast. Das heißt, wenn du dir angeschaut hast, wo deine Angst herkommt und dir diese Situation anschaust oder die Angstgefühle bejahend und bewusst wahr nimmst. Und ihnen den Raum und die Zeit gibst, den sie brauchen um in Heilung zu kommen. Das geht manchmal schneller und manchmal langsamer und manchmal denkt man sie sind nun weg und kommen 2 Jahre später wieder, weil sie eben nochmal Zeit und Raum brauchen.  

 

Meditation:

Schließe die Augen oder auch nicht, aber fühle deinen Körper. Du sitzt, stehst oder liegst. In jedem Moment, kannst du dich wahrnehmen. Du spürst, wie die Luft an deiner Haut vorbei streicht, riechst die Gerüche in der Luft, du hörst die Geräusche die dich umgeben.

Jetzt spürst du genau was in diesem Moment ist. Du triftest ab? Seine Gedanken schweifen irgendwo hin? Und du nimmst in diesem Moment wahr wie sich dein Körper anfühlt. Wenn du dich ärgerst, dass du dich nicht konzentrieren kannst, dann nimm jetzt wahr, wie sich das anfühlt. Wenn du dich konzentrieren kannst dann nimm auch das wahr, wie es sich anfühlt. Wie fühlst du es und vor allem wo in deinem Körper, macht es dich leicht oder schwer. 

Du liehst diese Zeilen und findest sie irgendwie, entweder gut oder blöd oder..... währenddessen du das ganze was ich hier geschrieben habe bewertest oder genießt, nimmst du dich wahr. Wie kalt oder warm sind deine Füße. Wie fühlt sich dein Bauch an. Wie fühlt sich der Körperteil in dir an, der dir schon lange weh tut. 

Du bist weil du fühlst und jedes Gefühl ist Wahrheit, deine Wahrheit. Es gibt nichts ehrlicheres in dir als dein Gefühl. 

Entscheide dich jetzt ganz bewusst deine Gefühle zu fühlen. Deine Frau nervt oder sie tröstet dich, wie fühlt es sich an. Du fühlst dich klein, du fühlst dich groß, wie fühlst es sich an. Du entscheidest dich, deine Angstgefühle genau so anzunehmen, wie deine Glücksgefühle. Beides sind einfach nur Gefühle, sie sind ein Teil von dir. Sie gehören zu dir wie deine Ohren. Und sie werden nur so lange da sein wie sie dir von Nutzen sind. Das einzig wahre, dein Gefühl.

 

Wenn du nichts fühlen kannst, dann beobachte deinen Körper, gehe in das nicht fühlen hinein und beobachte es. Auch das nicht fühlen gehört zu dir. Auch das will einfach nur gesehen werden. Gehe in diese Leere und schau was es dir zeigt.

Hinter jedem Gefühl steht etwas, genau so wie hinter jedem nicht fühlen etwas steht.

 

Abwärts zu den Gipfeln deiner Selbst blickst du hinauf.