Suchtprävention für Jugendliche, Eltern und Co-Abhängige

Hier will ich niemanden davon abhalten sich in eine Sucht zu flüchten oder sagen, dass du oder sonst wer mit irgend etwas aufhören soll. Was ich mit meinen Vorträgen erreichen will ist, dass jeder, der mit dem Thema Sucht in Berührung kommt einen bewussten Umgang damit entwickelt. Es geht also nicht darum jemanden von etwas ab zu halten, das kann so oder so jeder nur selbst, sondern darum dir zu zeigen warum du etwas tust und, dass nur du entscheidest was du tust. Jeder ist ganz allein für sein Handeln Verantwortlich. Ich will dir nur erklären wie du funktionierst, damit du bewusst eine Entscheidung triffst. Dann kannst du gerne kiffen oder sonst was. Aber du darfst wissen wieso du es tust.

 

Bitte prüfe für dich ob die folgenden Ausführungen dir entsprechen. Schau was für dich Stimmig ist. Gerne kannst du auch über den Kontakt auf dieser Webseite schreiben, was für dich wichtig ist oder was du gerne noch ergänzen möchtest.

 

Was ist eigentlich der Grund für eine Sucht?

Sucht entsteht immer dann wenn wir ein unangenehmes Gefühl oder eine unangenehme Situation versuchen weg zu machen.

Wir wollen das unangenehme Gefühl nicht haben, und flüchten in dem wir z.B. rauchen oder zocken oder was süßes essen.............

Fasst alles kann zur Sucht werden. Selbst Hände waschen oder reden, oder schweigen oder Tabletten, Sport usw. einfach alles was uns hilft nicht nicht mehr die unangenehmen Gefühle zu fühlen.

 

Stell dir vor du hast ganz viele verschiedene Töpfchen oder Schälchen. Jedes dieser Schälchen steht für eine deiner Emotionen (Freude, Trauer, Angst, Selbstsicherheit.....). In einem sucht-freien Leben werden diese Schälchen immer mal wieder leerer oder voller. Dies geschieht ganz automatisch. Manchmal fühlt man sich einsam ein andermal fühlt man sich wohl, so ist das im Leben. 

So nun kommt es aber so, dass der Mensch z.B. die Einsamkeit nicht mehr fühlen will. Er sucht sich einen Ausweg aus diesem Gefühl. Nehmen wir mal die Volksdroge Nr.1 Alkohol. Der Mensch trinkt ein Bier. Nun fühlt er sich nicht mehr einsam, weil er erben das Bier fühlt. Ein kribbeln im Kopf usw. Das Schälchen Einsamkeit ist zwar immer noch über voll, aber er fühlt es nicht mehr. Das Einsamkeit-Gefühl ist weg. 

Gerade wenn man Jung ist , hat man ganz viele Gefühle, mit denen man manchmal gar nicht gut zurecht kommt. Schlechte Noten oder das Aussehen. Überhaupt das Gefühl der Umstellung von Kind auf Teenie. Überall Gefühle die einen überfordern können. 

Die Schälchen sind ganz oft leer oder zu voll. Und überall gibt es was neues zu entdecken, Alkohol, Pep oder Haschisch usw. Manchmal ist es auch nur, weil es eben alle machen. Also wieder ein Schälchen leer, nämlich das Schälchen dazu zu gehören. Ist ein Gefühl, wie lachen oder weinen ....

Damit will ich sagen, dass das oft auch ganz schleichend passiert. Manchmal auch sehr gesellschaftsfähig wie mit Alkohol oder Sport, manchmal eben nicht so gesellschaftsfähig wie Essen oder Kiffen.

 

Wenn es dann aber soweit ist, dass der Mensch sich in einer Sucht befindet, ist der Weg daraus immer nur in dem er die Gefühle fühlt, die er zuvor versucht hat zu verdrängen. Nur, dass nun auch noch der Entzug dazu kommt. Der Entzug ist bei jeder Droge anders. Beim Essen ist es Hunger, beim Kiffen ist es Niedergeschlagenheit. 

Ich möchte nicht auf alle Drogen eingehen aber die Droge Alkohol, die zwischen jedem Fußballspiel im Fernsehen beworben wird, möchte ich kurz ausführlicher behandeln. Alkoholsucht ist definitiv tödlich. Wer täglich Alkohol trinkt wird auf jeden Fall früher sterben als wenn er es nicht tut. Verharmlosung ist absolut nicht angesagt. In Deutschland sterben täglich 200 Menschen am Tag an den Folgen von Alkoholsucht. Das Glas Rotwein am Tag vom Doktor verschrieben ist absoluter Bullshit. 

Alkohol führt relativ schnell zu einer körperlichen Abhängigkeit. Das heißt, der Entzug ist nicht spaßig. Wer das genauer wissen will kann sich gerne erkundigen bei Sucht-Beratungsstellen. Es gibt nicht sehr viele trockene Alkoholiker, weil die meisten es nicht schaffen.  Mindestens jeder zweite der einen Alkoholentzug gemacht hat wird beim ersten Entzug wieder Rückfällig. Verharmlosung ist absolut nicht angesagt. Das ist es bei keiner Droge, aber ich hebe den Alkohol hervor, weil er eben so oft verharmlost wird. Es kann nicht sein, dass bei einer so gefährlichen Droge, man bei einem Sektempfang blöd angeschaut wird, wenn man keinen Sekt will. 

 

An die Jugend:

Ich will hier nicht alle Drogen vorstellen, kann ich auch nicht. Aber ich empfehle euch macht euch schlau, wie die Drogen die ihr vorhabt zu konsumieren reagieren. 

 

Wichtige Fragen:

  • Wie schnell macht mich eine Gewisse Substanz Abhängig?
  • Wie gut ist die Substanz Dosierbar? 
  • Wie teuer ist das Zeug? Und wie komme ich an das Geld ran?
  • Warum mache ich das?
  • Wenn du einer Sucht nachgehst, egal welcher, dann fühlst du dich anders. Das heißt, das Leben ohne die Droge fühlt sich ander an als wenn du die Sucht befriedigt hast. Ich lade dich ein, beobachte, wie sich die zwei Welten anfühlen. Was fühlst du wenn du die Sucht befriedigst? Und dann schau mal genau hin, wie fühlt sich der Übergang an, genau den Moment wo deine Droge beginnt zu wirken. Werde dir bewusst was du tust. Wie fühlt es sich an?
  • Mit wem kann ich darüber reden, wenn ich mich hilflos fühle? Oder überhaupt. Das konsumieren einer Droge wirft immer irgendwelche Fragen auf. Wo bekomme ich Informationen? 
  • So nun noch eins. Es gäbe noch viele Punkte die hier aufgeführt werden sollten. Ich werde die Liste noch ergänzen. Aber eins will ich euch noch mitgeben. Eure Eltern, glaubt mir egal wie sie sich euch gegenüber verhalten. Sie wollen immer nur das Beste für euch. Deshalb stellt euch die Frage, ob es nicht ehrlicher von euch wäre wenn ihr ihnen sagt was und wo ihr es macht. Es ist immer besser wenn jemand der euch nahe steht weiß, was ihr macht. Wenn es mit den Eltern nicht geht, dann sagt es eurem Vertrauenslehrer oder dem Sucht-Beauftragten der Schule. Dafür ist er da. Oder Schulkameraden, die Verständnis haben. Es ist meine größte Aufgabe, euren Eltern zu erklären, wie wichtig es für euch ist, dass ihr mit ihnen über alles reden könnt. 

 

An die Eltern:

Unsere Kinder leben in einer Welt, wo sie manchmal total überfordert sind. Nun das geht uns Eltern manchmal auch so, aber wir sind eben erwachsen. Ich werde immer wieder gefragt, wie Eltern ihren Kindern helfen können. 

Die Sucht-Problematik wird immer aktueller. Wir Eltern wissen manchmal gar nicht wie die Entwicklung von chemischen Drogen voran geschritten ist. Wenn ich das Gras  nehme, das wir vor 25 oder 30 Jahren geraucht haben und das was heute so verkauft wird, hat das nicht mehr viel miteinander zu tun. Das möchte ich aber gerne jedem selbst überlassen, in wieweit er sich da schlau machen will.

Aber was mir sehr am Herzen liegt, ist, dass es absolut nicht produktiv ist den Jugendlichen irgend etwas zu verbieten. Alles was mir verboten wurde, habe ich doch erst recht gemacht. 

Es gibt nur einen Weg, den Jugendlichen zu helfen, in dem wir nicht verbieten sondern ihnen zeigen, dass sie uns alles sagen können. 

Dazu gehört eine große Portion Verständnis. Jugendliche machen manchmal Dinge, die für Erwachsene nicht nachvollziehbar sind. Das ist so, war schon immer so. Wenn du also deinem Kind helfen willst, dann habe Verständnis, für alles. Wenn die Kinder nach Rauch riechen, werden sie es nicht aufhören weil Papa sagt das geht so nicht. Sie machen das, weil ihre Schälchen, die mit den negativen Gefühlen zu voll sind und weil  sie nicht genug Kraft haben diese Gefühle zu fühlen. Und wenn sich das Kind abwendet, dann ist es eventuell allein, weiß nicht wo es sich hinwenden kann. Die Probleme sind trotzdem da, auch wenn wir was verbieten. 

Der große Satz lautet "Du bist genau richtig so wie du bist"

Ich würde gerne an dieser Stelle noch viel mehr schreiben, aber eigentlich ist damit alles gesagt. 

 

Fragen die du dir stellen kannst:

  • Was willst du von deinem Kind, kannst du das was du von ihm erwartest auch selbst erfüllen?
  • Darf dein Kind zu Hause seine Emotionen ausleben?
  • Hast du selbst Süchte?
  • Wie kannst du es schaffen, dass dein Kind dir vertraut?
  • Hast du ein gemeinsames Hobby mit deinem Kind?
  • Kannst du mit deinem Kind über vieles reden?

Die Zeit und das Verständnis das du heute in dein Kind investierst ist das Vertrauen das du Morgen erntest.

So lange du an dein Kind glaubst ist es nicht verloren.

Noch ein wichtiger Satz, den alle Eltern und auch Kinder sich sagen dürfen:

"Nicht das Kind ist für die Eltern verantwortlich, sondern die Eltern sind für ihre Kinder verantwortlich"

All das soll keine Anklage sein, sondern das ist meine Einstellung zum Thema Sucht. Das muss alles gar nichts mit dir zu tun haben. 

Ich schreibe dies alles nur aus der Erfahrung meines Lebens. 

Als Kind aufgewachsen mit einem Zuckerkranken Alkoholiker als Vater. Selbst Co-Abhängig weil ich die Verantwortung für meinen Vater übernehmen wollte. Das machen Kinder immer wenn Eltern schwach sind. Dann aus dem Dilemma der Co-Abhängigkeit ausgebrochen. Ausgezogen aus dem Haus meines Vaters. Ein Monat später war er Tot. Meine Schale Schuldgefühl war übervoll.Hab mich geflüchtet in die Canabissucht und Kaffee.  Zehn Joints am Tag waren für mich total normal, zwei Kannen Kaffee auch.

Mit 30 hab ich aufgehört zu kiffen. Hab langsam angefangen meine Gefühle zu fühlen. Hab 20 Kilo zugenommen, der Zucker war eine  Möglichkeit die Gefühle nicht fühlen zu müssen. Dann kam der Sport. Klettern, Joggen wieder Gefühle nicht fühlen. Ich möchte nicht alle Tiefen meines Lebens hier ausbreiten, aber sie waren Tief. 

In der Ausbildung zum Gestalttherapeut hab ich gelernt an die unerledigte Situation zurück zu kehren und sie dann zu erledigen. 

Das heißt, ich bin zu meinem Vater zurück, hab ihm erklärt in welcher Not ich war, welches schlechte Gewissen mich all die Jahre begleitet hat, einfach alles, meine ganze Scheiß Kindheit hab ich aufgearbeitet, so dass ich heute hier stehe, als freier Mann. Frei von Süchten und Abhängigkeiten. Nur das wahre Gefühl, das sich im hier und jetzt zeigt, möchte ich fühlen. Dann liege ich im Bett oder stehe an der Ampel, oder lese ein Buch, es ist egal. Es gibt immer ein Gefühl, es ist manchmal schön und manchmal tut es sau weh. Aber es ist die Realität. Das ist es was ich bin. Ich bin das was ich fühle zu jedem Zeitpunkt. Und das ist nur meine Wahrheit. Und du der du das liest, magst eine ganz andere Wahrheit haben. Das ist das was mich mich sein lässt und das was dich dich sein lässt. 

Ich wünsche allen Menschen, dass sie sich ganz bewusst für ihren Weg entscheiden. 

 

Co-Abhängigkeit:

Die Co-Abhängigkeit ist eine weitere fiese Sache. Auch die Co-Abhängigkeit entsteht aus Situationen, die wir nicht haben wollen. Nun angenommen du bist mit einem Alkoholiker verheiratet. Er will sich nicht ändern, was bleibt dir? Wenn die Situation mit diesem Mann nicht mehr angenehm ist, bleibt dir eigentlich nur zu gehen. Das bedeutet aber, dass du dann alleine bist usw. das birgt ganz viel, was du gar nicht haben willst. Also bleibst du bei ihm. Somit bist du Co-Abhängig. Ist eigentlich auch eine Art Sucht. Weil dein Mann keinen Entzug macht, musst du ein leidvolles Leben führen. Du bist also nicht bereit das alles auf dich zu nehmen was eine Trennung mit sich bringt. Das fängt an bei "ich hab ihn im Stich gelassen", bis "ich bin nicht richtig, weil ich mich doch eigentlich für die Ehe entschieden hab". Ein ganz fieses Dilemma, wird ganz oft gar nicht aufgedeckt. Wenn du aus der Co-Abhängigkeit raus willst, bleibt dir nur der Weg dich von dem in diesem Fall Alkoholkranken zu befreien. Wenn du richtig gut bist, kannst du das sogar in der Ehe hinkriegen. Aber eher unwahrscheinlich. Weil er ja doch immer wieder dein Leben einschränkt. Nicht mehr Co-Abhängig zu sein, bedeutet unabhängig zu sein.

Ganz oft sind das Wechselspiele in Beziehungen. Der eine ist Schwach und der andere versucht ihn zu retten. So haben beide eine symbiotische  Sucht. Dadurch müssen beide nicht bei sich selbst schauen. 

Das ist ziemlich verzwickt und auch nicht so einfach zu erklären. Auch wollen es die Betroffenen selten wahr haben. 

Das ist auch ein typisches verhalten von Süchtigen, dass sie es eben einfach nicht zugeben wollen, können. Es ist für sie einfacher mit der Lüge zu leben als mit der Wahrheit.

Mein Vater hat damals aus einer Weinflasche Schnaps getrunken und behauptet es wäre Wasser.

 

Konstantin Wecker singt in einem Lied: "Freiheit heißt, keine Angst haben vor nix und niemand"

Ich möchte das erweitern und sagen:

" Freiheit heißt, keine Angst zu haben vor nix und niemand, auch nicht vor dir selbst und deinen Gefühlen"