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von Lisa |

19. Mai 2026

Thema: Warum Loslassen so schwerfällt

Zusammenfassung:
In diesem Text über psychologische Denkfallen geht es um die Frage, warum uns das Loslassen von scheiternden Projekten so schwerfällt. Schuld daran ist nicht nur die evolutionäre Angst vor Verlusten, sondern vor allem das Klammern an unser eigenes Selbstbild – an die Rolle der Person, die niemals aufgibt. Der wahre Schmerz beim Loslassen ist daher selten der Verlust der Sache selbst, sondern der Verlust dieser vertrauten Identität.

Loslassen schmerzhaft und befreiend

Warum Loslassen so schwerfällt (und es selten am Projekt liegt)

Kürzlich habe ich einen faszinierenden Text der Wirtschaftspsychologin Ingrid Gerstbach über unsere „Denkfallen“ gelesen. Sie beschreibt darin einen erfolgreichen Geschäftsführer, der drei Jahre an einem Projekt festhielt, obwohl er nach sechs Monaten wusste, dass es scheitern würde. Seine Investoren wussten es, sein Team wusste es. Trotzdem machten alle weiter, bis das Geld ausging. Seine Erklärung? „Ich konnte einfach nicht loslassen.“

Warum verharren wir so oft in Sackgassen?

Die Angst vor dem Verlust

Der Artikel erinnert an die berühmten Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky. Sie fanden heraus: Ein Verlust tut uns emotional etwa doppelt so weh, wie uns ein gleichwertiger Gewinn freut. Diese Verlustaversion ist sogar neurobiologisch in unserer Amygdala (dem Angstzentrum im Gehirn) verdrahtet. Festhalten ist also keine Charakterschwäche, sondern ein evolutionärer Schutzreflex.

Es geht nicht um das Projekt, sondern um das Selbstbild

Doch die eigentliche Pointe von Gerstbachs Impuls sitzt tiefer. Sie teilt eine persönliche Erfahrung: Als sie selbst an einem Buchprojekt feststeckte, fragte ihr Mann sie: „Warum machst du das eigentlich noch?“ Ihre Antwort: „Ich habe es versprochen.“ Darauf er: „Du bist doch schon längst weg. Du sitzt doch nur noch da.“

Da wurde ihr klar: Wir klammern uns oft gar nicht an die Sache selbst. Wir klammern uns an unser Selbstbild. An die Identität der Person, die alles durchzieht, die nicht aufgibt, die ihr Wort hält. Der wahre Schmerz beim Loslassen ist der Verlust der Rolle, in der wir uns sicher gefühlt haben.

Zwei Fragen für deine Reflexion

Basierend auf diesen Gedanken von Ingrid Gerstbach möchte ich dir zwei Fragen mitgeben, wenn du das nächste Mal merkst, dass du an etwas „Totem“ festhältst:

„Wer wäre ich, wenn ich das nicht mehr tun würde?“ Wenn die Antwort „Ein Versager“ oder „Jemand, der aufgibt“ lautet, ist nicht das Projekt das Problem, sondern ein Selbstbild, das gerade keine Niederlage verträgt.
„Reagiere ich mit Argumenten oder mit einem Reflex?“ Wenn du dich ertappst, wie du dein Festhalten trotzig verteidigst, schützt du meistens kein Projekt, sondern deine Identität.

Platz für Neues schaffen

Der Geschäftsführer aus Gerstbachs Geschichte hat das Projekt schließlich beendet. Sein Fazit: „Ich kann wieder atmen. Ich wusste nicht, wie viel mentale Energie dieses tote Ding verbraucht hat.“

Genau das erlebe ich auch oft in meinen Beratungen: Festhalten blockiert psychische Energie. Jede Stunde, die wir mit etwas eigentlich sinnlosen verbringen, ist eine Stunde ohne Leichtigkeit und genussvollem Leben.

Loslassen ist ein Akt der Selbsterlaubnis: zu sein, was übrig bleibt, wenn eine Geschichte endet.

Meine Frage an dich:

An welchem Selbstbild hältst du gerade fest, obwohl die Sache dahinter längst vorbei ist?
Wenn du Unterstützung dabei brauchst, diese Muster zu lösen und wieder frei zu atmen, melde dich gerne bei mir für ein Beratungsgespräch.

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