Seit einigen Monaten bemerke ich bei mir, dass ich nicht mehr verlustfrei mehrere Sachen gleichzeitig machen kann. Zugegeben, verlustfrei war das früher auch nicht, aber es ging immerhin! Mittlerweile fehlen zum Beispiel in meinen Sätzen plötzlich wichtige Worte, wenn ich gleichzeitig noch versuche, den Fehler in der Datenbank zu finden (oder auch nur darüber nachdenke, wen ich denn noch dringend anrufen muss).
Tatsächlich ist aber Multitasking biologisch gar nicht möglich! Das menschliche Gehirn ist strukturell nicht in der Lage, zwei oder mehr komplexe, bewusste Aufgaben gleichzeitig zu verarbeiten. Was wir im Alltag als paralleles Arbeiten wahrnehmen, ist in Wahrheit ein rapides Hin- und Herschalten der Aufmerksamkeit (sogenanntes Task Switching oder Kontextwechsel). Echtes paralleles Arbeiten klappt nur, wenn eine der Aufgaben komplett unbewusst abläuft, wie z. B. Spazierengehen. Schlecht für meine Kombi: Reden während ich gleichzeitig am Server arbeite - das kann ich beides nicht unbewusst.
Warum ist das so? Das ständige Umschalten bewirkt Denk-Blockaden, denn während wir die neue Sache machen, ist unsere Aufmerksamkeit zu einem Teil immer noch bei der ersten Tätigkeit. Es gibt Studien, die sagen, es kostet bis zu 40 % der produktiven Zeit und zugleich steigt die Fehlerquote (das ich kann bestätigen).
Nicht verwunderlich ist, dass Multitasking deshalb unser Gehirn unter Stress setzt. Wir schütten vermehrt das Stresshormon Cortisol aus und erschöpfen auf Dauer mental. Interessant ist aber auch, dass jede neue innere Benachrichtigung unser Belohnungssystem triggert, weshalb sich Multitasking zugleich (aber fälschlicherweise) gut und produktiv anfühlt.
Um das Gehirn wieder an die gesündere und effizientere Monotasking-Arbeitsweise (Fokus auf eine einzige Sache) zu gewöhnen, helfen kleine, alltagstaugliche Interventionen. Hier sind drei kurze Übungen, die Du direkt ausprobieren kannst:
Wege zurück zum Fokus (Monotasking)
Schreibtisch-Clearing:
(der Titel ist extra ver-englisht, weil sich: "Räum gefälligst deinen Schreibtisch auf" nicht so gut macht.) Aber darum geht es: So wenig Ablenkung wie möglich! Und leider reicht es nicht, das Handy nur auszuschalten. Solange es noch sichtbar neben uns liegt, lenkt es uns unbewusst ab.
20-Minuten-Monotasking-Insel:
Konzentration kann man trainieren, wie einen Muskel. Beim Sport fängt man auch langsam an und steigert sich. 20 Minuten arbeiten - ohne wenn und aber. Erst dann gibts eine Pause. Dann steigert man das langsam auf 30 oder 45 Minuten.
Gedanken-Parkplatz:
(Ist der Übung "Kläranlage" recht ähnlich.)
Wir werden in unserer Arbeit häufig abgelenkt, weil uns was wichtiges einfällt. Damit uns das nicht aus dem "Flow" reißt, aber auch nicht vergessen wird, können wir die Gedanken kurz aufschreiben. Das entlastet das Arbeitsgedächtnis, denn es muss diese Info nun nicht mehr präsent halten.
Lust, es auszuprobieren?
Hier ist eine PDF zum Download mit der Anleitung
und der Wissenschaft, die dahinter steckt.
Schreib mir gerne, was für Erfahrungen Du damit gemacht hast!
