Wenn kleine Kinder in einem Raum mit vielen Menschen etwas Neues entdecken, rennen sie oft direkt darauf zu, kehren dann aber zu ihrer Bezugsperson zurück. Sie holen sich immer wieder Sicherheit, um dann erneut auf ihr Ziel zuzugehen. Der Psychologe Dr. Peter Levine nutzt in seiner körperorientierten Therapieansatz Somatic Experiencing (SE) diese in unsere Natur eingepflanzte Möglichkeit, Sicherheit zu finden, um traumatisierten Menschen zu helfen. Für ihn ist Trauma nicht das damals geschehene Ereignis, sondern „…die im Nervensystem gebundene Energie, die nicht entladen werden konnte.“ (aus Sprache ohne Worte)
Dieses Pendeln zwischen Angst und Sicherheit findet auch bei Erwachsenen statt und ist die Basis gesunder Selbstregulation und somit auch für gesunde Weiterentwicklung.
- Verhindert Überforderung: das Nervensystem wird nicht mit dem Stress überflutet.
- Baut Kapazität auf: Der Körper lernt, dass auf Anspannung immer auch Entspannung folgt.
- Bricht den Stresskreislauf: Das Gehirn erhält das Signal, dass aktuell keine reale Gefahr droht.
Die Methode des "Pendelns" kann uns im Alltag helfen, wenn durch eine negative Situation zum Beispiel im Beruf aufgrund einer früheren Konfliktsituation, plötzlich Angst auftaucht, sobald man das Büro betritt. Dr. Orell Mielke hat folgende Übung in seiner Neurohacking Community veröffentlicht:
Pendeln
Schritt 1: Alarmzustand erkennen (ohne Überwältigung)
"Wenn ich an den Konflikt denke, was spüre ich?"
"Meine Brust wird eng. Mein Herz wird schneller. Mein Nacken verspannt."
Das ist der Alarm. Erkenne es, aber überwältige dich nicht.
Schritt 2: Sicheren Ort aktivieren
"Gibt es einen Ort oder eine Person, wo ich mich WIRKLICH sicher fühle?"
"Ja, in meinem Garten. Oder mit meinem Freund [Name]."
Jetzt: "Denk an diesen Ort. Spüre die Sicherheit."
Dein Körper sollte sich entspannen: Atmung vertieft sich, Herz verlangsamt, Schultern senken.
Schritt 3: Hin und her pendeln
"Geh zurück zur Szene. Spüre die Enge..." (Alarm – je nach Belastung 3 – 20 Sekunden)
"Jetzt: Zurück zum sicheren Ort..." (Sicherheit – 20 Sekunden)
"Zurück zur Szene..." (Alarm – 3 – 20 Sekunden)
"Zurück zum sicheren Ort..." (Sicherheit – 20 Sekunden)
Wiederhole 3-5 Mal
Schritt 4: Zusammenführung
Letzte Runde: "Denk an die Szene, ABER diesmal mit dieser Erkenntnis: Das war unangenehm. JETZT bin ich sicher. Das ist vorbei."
Spüre, wie sich dein Körper langsam entspannt.
Nach 3-4 Durchgängen: Dein Nervensystem stuft die Szene nicht mehr als aktive Bedrohung ein.
Lust, es auszuprobieren?
Hier ist eine PDF zum Download mit
der detaillierten Anleitung.
Schreib mir gerne, was für Erfahrungen Du damit gemacht hast!
